Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker

BApK

Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V.

Behandlungsvereinbarungen für „Experten in eigener Sache“

„Verhandeln statt Behandeln“ – wer es mit diesem Grundsatz in der psychiatrischen Klinik oder in der gemeindepsychiatrischen Einrichtung ernst meint, der wird an einer Behandlungsvereinbarung nicht vorbeikommen. Als möglicherweise unbedeutendes Formular kommt es daher. Für eine dialogisch gestaltete Begleitung eines psychisch erkrankten Menschen in der Krise sind Behandlungsvereinbarungen unverzichtbar. Individuelle Absprachen zwischen Betroffenen und der versorgenden Einrichtung werden in den Behandlungsvereinbarungen dokumentiert.


In einer Zeit, in der das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen an Bedeutung gewinnt, sind Behandlungsvereinbarungen für die von einer psychischen Erkrankung betroffenen Menschen ein wichtiges Instrument, um den eigenen Willen auszudrücken. Sie können deutlich machen, welche Form der Unterstützung sie in einer Krisensituation brauchen. Sie haben eine Form zu dokumentieren, ob und wie sie medikamentös behandelt werden wollen.


„Gegenstand der Behandlungsvereinbarung sind typischerweise nicht nur die Gestaltung der Unterbringungssituation sowie die Klärung sozialer Fragen, sondern auch die Behandlungssituation als solche und damit auch die Medikation und die Zwangsbehandlung. In Betracht kommen insoweit sowohl zustimmende als auch ablehnende Willensbekundungen. Ziel der Behandlungsvereinbarung ist eine differenzierte, von beiden Seiten akzeptierte Vereinbarung.“ (Marschner, in Aktion Psychisch Kranke: Patientenverfügungen und Behandlungsvereinbarungen bei psychischen Erkrankungen)


Die Bedeutsamkeit von Behandlungsvereinbarungen ist gängigen Patientenverfügungen gleichzusetzen. Behandlungsvereinbarungen gibt es in vielen psychiatrischen Kliniken. In der Grundidee ist es darum gegangen, die von einer seelischen Erkrankung betroffenen Menschen als „Experten in eigener Sache“ zu verstehen.