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Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen

BApK

Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V.

Unsere Gast-Autorin LOU hat einen Film geguckt, und zwar:

About a Boy oder: Der Tag der toten Ente

Okay. Bevor ich anfange, gebe ich es direkt zu: Der Film ist alt. ABER: Ich fand ihn trotzdem toll. Wie ich auf ihn gekommen bin? Peinlich, aber wahr, meine Mutter hat ihn mir empfohlen, als ich nach stundenlangem Herumsuchen auf Netflix nichts finden konnte, was mich packt. Natürlich habe ich ihn mir nicht angeschaut. Aber drei Wochen später lag ich mit einer wirklich üblen Erkältung im Bett, und da ist er mir wieder eingefallen. Ich hab mir den Trailer angeschaut und dachte: Warum nicht?

Und darum geht’s: Willi Freeman (Hugh Grant, hat was ;) ) führt ein sehr cooles Leben. Er lebt mitten in London in einem supertollen Apartment, trägt coole Klamotten und hört den ganzen Tag Musik. Ansonsten tut er: nichts! Dabei ist er erwachsen, bestimmt schon älter als 30, würde ich sagen. Sein Vater hat einen erfolgreichen Weihnachtssong geschrieben, und immer, wenn der gespielt wird, bekommt sein Sohn Geld. Und er wird anscheinend sehr oft gespielt.

Willi sieht ziemlich gut aus, hat aber keine feste Freundin und scheinbar auch keine richtigen Freunde. Er glaubt, jeder Mensch wäre eine Insel. Sich selber hält er für Ibiza, weil er meint, sein Leben wäre eine einzige Party.

Natürlich hat er jede Menge Affären, die ihm aber nichts bedeuten. Als seine kurze Beziehung mit einer alleinerziehenden Mutter gescheitert ist, kommt er auf die Idee, sich als alleinerziehender Vater in eine Selbsthilfegruppe einzuschleusen, die hauptsächlich aus Frauen besteht. Er ist sofort der Star und er erzählt immer neue Lügen von sich und seinem kleinen Sohn. Bald hat er ein erstes Date. Bei ihm lernt er Marcus kennen, einen ziemlich merkwürdig aussehenden Jungen mit gestickter Norwegermütze und Topfschnitt. Er lebt alleine mit seiner Mutter, die ganz offensichtlich große Probleme hat. Sie weint eigentlich den ganzen Tag und ist auch sonst ziemlich neben der Spur.

An dem Tag, als Willi und Marcus sich begegnen, kommt es zu einem ebenso lustigen wie dramatischen Ereignis im Park und überraschender Weise ergreift Willi die Partei des Jungen und hilft ihm aus einer ziemlich blöden Situation. Als sie Marcus nach Hause bringen, liegt seine Mutter leblos auf dem Sofa: Sie hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Obwohl seine Mutter gerettet wird und nach ein paar Tagen wieder nach Hause kommt, ist Marcus absolut verzweifelt. Der Selbstmordversuch seiner Mutter hat ihm gezeigt, wie allein er eigentlich ist. Er beschließt, sich einen Freund zu suchen und das soll ausgerechnet der egozentrische Willi werden. Uneingeladen taucht er ständig vor dessen Türe auf und es entsteht wirklich so etwas wie eine Freundschaft. Gegen seinen Willen fühlt sich Willi für den Jungen verantwortlich und versucht ihn „cooler“ zu machen. Das gelingt ihm nicht wirklich. Dafür macht Marcus aus Willi mit der Zeit einen anderen Menschen. Jemanden, der sich für andere interessiert und sie auch in Schwierigkeiten nicht im Stich lässt. Im Laufe des Films kommen immer mehr Menschen hinzu, und am Ende feiert eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von sehr unterschiedlichen Menschen zusammen Weihnachten.

Das klingt kitschig und ist es irgendwie auch. Aber weil alle Personen weiterhin ihre „Macken“ haben und nicht alles Freude, Freude, Eierkuchen ist, ist es das auch irgendwie nicht.

Das beste Beispiel dafür ist Marcus' Mutter. Man weiß nicht, warum sie ständig weinen muss, aber es ist klar, dass sie gerade eine schwere Depression erlebt und die Kontrolle über ihr Leben verloren hat. Ihr Entschluss, sich das Leben zu nehmen, obwohl sie ihren Sohn über alles liebt, zeigt wie verzweifelt sie ist.

Der Film zeigt nicht, welche ärztliche Hilfe sie bekommt. Er zeigt aber, wie wichtig es ist, dass man in einer solchen Situation nicht alleine ist. Man kann sehen, wie überfordert Marcus durch die Situation ist und wie sehr er sich alleine fühlt. Immer wieder versucht er, seine Mutter aufzuheitern, zum Beispiel in dem er ihr Lieder vorsingt – und sich damit beinahe zum Gespött der ganzen Schule macht. Aber nach dem versuchten Selbstmord lebt er in der ständigen Angst, dass seine Mutter es noch einmal probiert.

Seine Lösung ist es, die Verantwortung zu teilen, mit anderen über seine Situation zu sprechen, sich Freunde an die Seite zu holen. Das erfordert viel Mut und ist ziemlich schwierig.

Originaltitel: About a Boy │Produktionsland: Vereinigtes Königreich, Frankreich, Deutschland, Vereinigte Staaten │Erscheinungsjahr: 2002 Länge: 101 Minuten │Altersfreigabe: FSK 6 │Regie: Chris Weitz, Paul Weitz │Darsteller: Hugh Grant, Nicholas Hoult, Toni Collette, Rachel Weisz u.v.a.

Du denkst auch manchmal, dass Du eigentlich lieber nicht mehr leben möchtest. Oder kennst jemanden, von dem Du glaubst, dass er vielleicht an Selbstmord denkt… Hier findet Ihr Hilfe:

SeeleFon Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen: 0228-71 00 24 24 - Mo-Do 10-12 & 14-16 Uhr, Fr 10-12 & 14-18 Uhr

NummergegenKummer– Kinder- und Jugendtelefon: 116 111 - Montags bis Samstags 14-20 Uhr (kostenlose telefonische Beratung).

 


 

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