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Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen

BApK

Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V.

Trauer um Ruth Fricke

Im Alter von 73 Jahren ist am 4. September nach langer Krankheit Ruth Fricke gestorben. Dies bestätigte der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE), dessen Vorstand sie bis zuletzt angehörte. Ruth Fricke war bis zu Ihrer Erkrankung lange Jahre auch im Vorstand des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit aktiv und hat dort die Belange der Betroffenen mit viel Engagement und Herzblut vertreten.

Die gebürtige Herforderin erkrankte 1986 zum ersten Mal an einer Psychose. Im Sommer 1994 gründete sie eine Selbsthilfegruppe für Psychiatrie-Erfahrene und arbeitete im Sprecherteam des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener NRW mit. Es folgte ein jahrzehntelanges Engagement für die Rechte und die Selbstbestimmung psychisch erkrankter Menschen. Neben ihrer Tätigkeit im BPE war sie Gründungsvorsitzende des Behindertenbeirates des Kreises Herford, Mitglied der staatlichen Besuchskommission nach PsychKG NRW sowie Koordinatorin der Patientenvertreter für die Regierungsbezirke Detmold und Münster. 2006 war sie Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit und seither Mitglied der Steuerungsgruppe. Zudem initiierte sie die jährliche Gedenkveranstaltung des Kontaktgesprächs Psychiatrie für die Opfer der nationalsozialistischen Patientenmorde unter dem Titel "T4-Opfer nicht vergessen“.

Ruth Fricke war eine mutige Frau der klaren Worte, die mit ihren streitbaren Positionen für die Rechte Betroffener nicht selten aneckte. Nachhaltig erfolgreich wurde ihr Engagement dadurch, dass sie konstruktiv, zuverlässig und veränderungsorientiert mit den verschiedenen politischen und sozialen Akteuren zusammenarbeitete. Sie wollte dabei helfen, die Verhältnisse im Kleinen und Großen zum Positiven zu verändern – sei es in der Selbsthilfegruppe, in ihrer Heimatregion oder auf der Bundesebene. Trotz ihrer Erfolge blieb sie immer sehr bescheiden. Sie nahm sich zurück und stellte die Themen in den Vordergrund, für die sie sich einsetzte.

Der Nachwelt hinterlässt sie auch eine Stiftung für Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung, an deren Planung sie trotz schwerer Krankheit unermüdlich gearbeitet hatte und deren formelle Gründung sie noch kurz vor ihrem Tod erleben konnte.