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Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen

BApK

Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V.

  • Gudrun Schliebener

Vorsitzende

Gudrun Schliebener war seit 2008 Vorsitzende des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) e.V. Von 1996 bis 2006 führte sie den Vorsitz im Landesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Nordrhein-Westfalen (LV ApK NRW), in dem sie bis zu ihrem Tode Mitglied war.

Frau Schliebener ist außerdem Mitglied der Staatlichen Besuchskommission zur Überprüfung der Psychiatrischen Kliniken nach PsychKG NRW sowie der Lenkungsgruppe der Psychiatrieplanung in NRW. Als Vertreterin des BApK engagiert sie sich in unterschiedlichen Gremien verschiedener Fachgesellschaften und -verbände für die Interessen der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen.

Auf regionaler Ebene ist sie Mitglied im Beirat der kinder-und jugendpsychiatrischen Abteilung am Klinikum Lippe, im Verwaltungsrat des Klinikums Herford und im Aufsichtsrat des Medizinischen Versorgungszentrums am Klinikum Herford. Weitere Schwerpunkte ihres Engagements sind unter anderem: Mitglied des Forums Psychiatrie im Kreis Herford, stellvertretende Sprecherin der Unabhängigen Beschwerdestelle Psychiatrie im Kreis Herford, Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker im Kreis Herford.

Bis zu ihrem Ruhestand war Frau Schliebener in verantwortlicher Position in einem Unternehmen der Automobil-Zulieferindustrie tätig.

Sie verstarb am 22. Februar 2020.

Völlig überraschend verstarb am 22. Februar 2020 im Alter von 75 Jahren die Vorsitzende des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK e.V.), Gudrun Schliebener.

Ihr Leben lang trat sie für die Rechte derer ein, die aufgrund ihrer besonderen Verletzlichkeit und Empfindsamkeit leiden und – oft gemeinsam mit ihren Angehörigen – von Stigmatisierung, Ausgrenzung und Marginalisierung betroffen sind. Gudrun Schliebener wollte eigentlich Naturwissenschaftlerin werden, doch die gesellschaftlichen Verhältnisse in der BRD der 1960er Jahre wiesen die junge Mutter aus dem Hörsaal. Um für sich und ihr Kind zu sorgen, nahm sie einen Job in einem Industrieunternehmen an. Sie erlebte die Benachteiligungen, die einer Familie zugemutet wurden, die nicht den gängigen Erwartungen entsprach. Sie engagierte sich in der Kommunalpolitik ihrer Heimatstadt Herford und trat der CDU bei. Mit ihrer klaren Haltung, ihrem Nonkonformismus und ihrer Parteinahme für die Benachteiligten in der Gesellschaft hätte sie genauso gut eine Heldin der 68er Generation werden können. Mit großer Ernsthaftigkeit nahm sie die berufliche Herausforderung an – sie stieg mit den Jahren in eine verantwortliche Position des Managements auf – und widmete sich zugleich ihren bürgerschaftlichen und politischen Aktivitäten. Sie saß in zahlreichen Gremien, war Mitglied des Kreistags, Vorsitzende des Kreissozialausschusses, hoch geschätzt über alle Parteigrenzen wegen ihres Einsatzes und ihrer ausgewiesenen Kompetenz.

Als Herford vor 40 Jahren zu einem Brennpunkt der Psychiatriereform wurde, sah man sie in der noch jungen Bewegung der Angehörigen. Sie initiierte eine Reihe von gemeindepsychiatrischen Vereinen und begleitete kritisch den Aufbau der ersten Dienste. Maßgeblich trug sie gegen manche Widerstände zur Errichtung einer psychiatrischen Fachabteilung am Klinikum Herford bei. Dem Vorstand des Landesverbandes der Angehörigen in NRW gehörte sie seit seiner Gründung 1993 an, wurde später Landesvorsitzende und 2008 zur Vorsitzenden des Bundesverbandes gewählt.

In ihrem Wirken verband Gudrun Schliebener persönliche Erfahrung, politische Klugheit, Mut und Konfliktfähigkeit mit der Fähigkeit zu Kompromissen. Sie kämpfte gegen Vorurteile bei den professionellen Experten und in der Politik. Sie wollte die Randständigkeit der betroffenen Familien überwinden, nicht als Bittsteller im Sozialstaat auftreten, sondern ihre Rechte als Beteiligte einfordern. Angehöriger sein ist eine passive Eigenschaft, die sich niemand aussuchen kann. Dagegen setzte Gudrun Schliebener den Begriff der „Familienselbsthilfe“, um sichtbar zu machen, welchen Beitrag Eltern, Geschwister, (Ehe-) Partner, andere Verwandte und Freunde im Zusammenleben mit einem psychisch Erkrankten für Zusammenhalt und Sicherheit in der Gesellschaft leisten.

Als Bundesvorsitzende vertrat Gudrun Schliebener den BApK bei Anhörungen zur Gesetzgebung, bei der Erstellung von fachlichen Leitlinien und in vielen sozialpolitischen Initiativen, von denen die wichtigsten hier aufgeführt seien: Sie war stellvertretende Sprecherin des „Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit“, einem Netzwerk von über 115 Verbänden und Institutionen, sie war akkreditierte Vertreterin im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der über den Leistungsumfang der Krankenkassen entscheidet, sie war die Stimme der Angehörigen im Trialog-Forum der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und im Verbändedialog des Bundesgesundheitsministeriums zur Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung, sie arbeitete in der Steuerungsgruppe des Projektes „Wie Wohnen“, einem Kooperationsprojekt der Aktion Psychisch Kranke e. V. (APK), der Charité Berlin, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sowie der Universität Hamburg zur Vermeidung von Zwangsmaßnahmen im psychiatrischen Hilfesystem, sie sprach auf dem Armutskongress 2019 in Berlin.

Trotz dieser enormen Fülle von Aufgaben nahm sie weiterhin ihre bürgerschaftlichen Aktivitäten vor Ort ernst – im Verwaltungsrat des Kreisklinikums, in den Vereinen, in der persönlichen Beratung Betroffener und in der Auseinandersetzung mit den Absurditäten und Unzulänglichkeiten der institutionellen Versorgung.

Ihre Sache war der Schutz der Menschenwürde und im Eintreten für diese Sache war sie unermüdlich und schonte sich nicht. Der Tod ereilte sie während einer Dienstreise. Ihre Familie und ihre Freunde hinterlässt sie in tiefem Schmerz. Die Bewegung der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen hat in ihr eine große Fürsprecherin verloren. Die sich für eine menschenwürdige psychiatrische Versorgung in Deutschland einsetzen, haben mit Gudrun Schliebener eine herausragende und hochverdiente Persönlichkeit verloren, die mit ihrer geradlinigen, unerschrockenen Haltung, ihrer Leidenschaft, ihrem Gespür für Gerechtigkeit, ihrem Einsatz für die Rechte der Schwächsten, aber auch mit ihrem Humor und ihrer Fähigkeit zur Selbstironie ein Vorbild gewesen ist.

Dr. med. Friedrich Leidinger
für den Vorstand des BApK e. V.

Als Gründungsmitglied und Vorsitzende über acht Jahre im Aufbau des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (FamilienSelbsthilfe Psychiatrie) ist es mir Anliegen und Ehre, zum Tode von Gudrun Schliebener einen kurzen Rückblick auf unsere gemeinsame Arbeit bzw. Zusammenarbeit zu werfen.

Zwischen ihrer und meiner Amtszeit liegen 15 Jahre mit vier Vorsitzenden (E. Maß, L. Schmitz-Mohrmann, E. Straub und A. Speidel).

In diesen 23 Jahren seit der Gründung hat sich der Bundesverband zu dem entwickelt, wie es Eva Straub in der „Kerbe“ (Forum Sozialpsychiatrie des Bundesverband der Evangelischen Behindertenhilfe) ausführt:

„Angehörige hätten keine Lobby ist ein Spruch von gestern! Sie haben eine aktive, kreative Vertretung durch ihren Bundesverband, durch Landesverbände und die Vereine vor Ort. Und das ist gut so!

Noch immer haben Familien, in denen jemand psychisch krank ist, eine große Scheu, sich zu ihrem Schicksal zu bekennen. Ihnen eine Stimme zu verleihen, ihre Lebensleistung ins Bewusstsein aller zu rücken, gehört zu unseren fundamentalen Anliegen. Durch jahrelange beharrliche Arbeit hat sich der Bundesverband einen guten Namen gemacht und ist zu einem gefragten Gesprächspartner in Psychiatrie-Fachkreisen, bei Politikern und Kostenträgern geworden.“

12 Jahre lang hat Gudrun Schliebener die breit angelegten Aufgaben im Vorstand des Landesverbandes NRW und als Vorsitzende im Bundesverband streitbar, mutig und kompetent wahrgenommen.

Im November letzten Jahres saßen wir noch mit Gunda Twardon (Gründungsmitglied im Landesverband NRW und langjährige Stellvertretende Vorsitzende) auf dem Podium bei der Veranstaltung zum 30-jährigen Bestehen des Landesverbandes ApK NRW. Wir hatten verabredet, dass sie im September 2020, an unserer Feier in Bonn, zum 40-jährigen Bestehen unserer Angehörigen-Aktionsgemeinschaft „Hilfe für psychisch Kranke e. V.“ teilnimmt.

Nun können wir uns nur noch verabschieden und uns für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken. Aus unserer gemeinsamen Arbeit weiß ich, dass es ihr großer Wunsch war, dass die Angehörigen-Bewegung weiterbesteht und wächst.

Hildegunt Schütt
Ehrenvorsitzende BApK

Es ist mehr als 25 Jahre her, ich war relativ neu in der Psychiatrischen Klinik in Gütersloh und musste eine Intensivbetreuung – eine damals so genannte Sitzwache – bei einer fixierten Patientin durchführen. Irgendwann brauchte ich eine kurze Toilettenpause und als ich zurückkam wartete im Tagesraum schon eine Dame auf mich, die mir ordentlich die Leviten las. Wie könne ich so verantwortungslos sein, die an ihr Bett gefesselte Patientin allein zu lassen! Es stellte sich kurz darauf für mich heraus, dass diese Dame Gudrun Schliebener war, eine Angehörige auf Besuch. Auch wenn es blöd für mich war, sie hatte ja recht. Vor einigen Tagen hatte ich mich zur Selbsterfahrung von Kolleginnen fixieren lassen. Die Erfahrung war grausig, vor allen, als sie mich für etwa 15 Minuten alleine gelassen haben. Mir gingen schreckliche Horrorszenarien durch den Kopf. Beispielsweise was wäre, wenn es plötzlich brennen und sie alle weglaufen würden, ohne an mich zu denken. Ja die Besucherin hatte recht, auch wenn sie mich sehr unsanft daran erinnerte. Frau Schliebener ist auch – mit Ansage – zur Klinikleitung und hat sich über mich beschwert. Sie hat mir später einmal dazu gesagt: „Manchmal muss man einer Schlange ganz hinten auf den Schwanz treten, um deren Kopf einzuschalten.“

Einige Jahre später wurde ich Stationsleitung einer psychiatrischen Station, die für Stadt und Kreis Herford zuständig war. Da tauchte Gudrun Schliebener, die in Herford wohnte, wieder regelmäßig auf. Und ich war sehr froh darüber! Sie war so eine Art Gewissen für die psychiatrischen Stationen. Gudrun schellte beispielsweise an der Stationstür und fragte unvermittelt: “Warum ist die Station geschlossen, gibt es triftige Gründe?“ Wenn man dann keine wirklich überzeugende Antwort wusste, verlangte sie beispielsweise nach dem zuständigen Oberarzt, um ihm die gleiche Frage zu stellen. Das führte irgendwann dazu, dass – wenn Gudrun in der Klinik auftauchte – sogar der zuständige Oberarzt oder Mitglieder der Krankenhausbetriebsleitung fragten, ob wir die Stationstür unbedingt geschlossen haben müssten, offen wäre besser! Gudrun kam als Angehörige, als Angehörigenvertreterin, als Mitglied der staatlichen Besuchskommission, als Politikerin und natürlich als Mensch, der sich einmischte. Und nicht selten kam der Anruf: “Achtung die Schliebener kommt! Schaut mal, ob bei Euch auf der Station alles OK ist.“ Zu dieser Zeit war die Fernsehsendung „Big Brother“ sehr populär. Manchmal habe ich meinen Kolleginnen und Kollegen gesagt, wir sollten so arbeiten, als würden wir immer von der Öffentlichkeit beobachtet, als liefen hier immer Kameras mit. Das klappte nicht immer, außer wenn alle wussten, dass Gudrun Schliebener gleich auf der Station auftauchen wird. Sie hat immer sehr konsequent das Wohlbefinden der Patienten im Blick gehabt und ich empfand sie in ihrer Kritik absolut patientenorientiert, adäquat und dabei nie unfair. Es ging ihr um das Wohl, die Rechte derer, die sich nur sehr schlecht wehren können. Und Gudrun war sehr oft ihre streitbare Anwältin. Ich habe sie als Vorbild empfunden, weil sie überhaupt keinen Unterschied gemacht hat zwischen den Patienten, deren Interessen sie vertrat und zwischen Pflegenden, Psychologen, Ärzten oder Mitgliedern der Betriebsleitung. Sie war immer mit allen auf Augenhöhe, kritisch aber wertschätzend.

Neben ihren vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben war sie auch Mitglied der staatlichen Besuchskommission, die einmal im Jahr unangekündigt psychiatrische Kliniken besucht und überprüft. Auch in dieser Rolle empfand ich sie immer als ungewöhnlich gut informiert, fachkundig, kritisch und fair. Dazu eine kleine Episode: Eine neue eingesetzte Klinikleitung empfing Gudrun als Mitglied der Besuchskommission mit den Worten: „Ich wüsste nicht, dass wir einen Termin miteinander hätten.“ Wer Gudrun kennt, kann sich vorstellen, dass diese Klinikleitung danach keinen allzu entspannten Tag hatte.

Es war beeindruckend, wie treffsicher sie unterscheiden und benennen konnte, ob irgendwelche Neuerungen und Konzepte psychiatrischer Versorgung wirklich den Patienten zu Gute kommen, oder ob sich jemand nur damit profilieren will. Ich weiß momentan gar nicht, wer diesen kritisch klaren Blick, wer diese Lücke, die Gudruns Tod reißt wird ausfüllen können.

In der Zeit, in der ich Stationsleitung für Herford war, konnte ich Gudrun in verschiedenen Projekten begleiten. Da war beispielsweise die „Unabhängige Beschwerdestelle“ die sie gemeinsam mit Ruth Fricke ins Leben gerufen hatte. Die Beschwerdestelle war trialogisch, also von Vertreterinnen der Betroffenen, Angehörigen und psychiatrische Profis besetzt. So habe ich regelmäßig Dienste in der Beschwerdestelle übernommen und dadurch einige Probleme aus einer neuen Perspektive sehen können. Dann gab es regelmäßige, richtig gut funktionierende und gut besuchte trialogische Gespräche im Kreishaus Herford. Nicht selten saßen dort 20 Menschen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen, um die Situation psychisch erkrankter Menschen gemeinsam zu diskutieren. Auch hier waren Gudrun Schliebener und Ruth Fricke treibende Kräfte. Auf der Station bei uns in der Klinik fanden verbindlich regelmäßige Gespräche mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Herford und Vertretern von komplementären Diensten statt. Außerdem setzte Gudrun Schliebener viel Energie darein, dass die gemeinsam entwickelte Behandlungsvereinbarung für möglichst viel Patientinnen umgesetzt wurde. Schätzungsweise hatten mehr als die Hälfte unserer Patienten eine detaillierte, gemeinsam ausgehandelte Behandlungsvereinbarung mit unserer Station. Darin waren Dinge geregelt, wie: Wer sind meine Vertrauenspersonen, was hilft mir im Krisenfall, was möchte ich keinesfalls, welche Medikamente, welche nicht, und viele weitere Aspekte einer eventuell notwendigen Krankenhausbehandlung. Diese Behandlungsvereinbarung stellte für viele Patienten eine wesentliche Verbesserung ihrer Situation und ihrer Selbstbestimmung dar, die anfangs noch von einigen Kolleginnen und Kollegen sehr kritisch gesehen wurde. Mache hatten offensichtlich Schwierigkeiten damit, Patienten so viel Eigenverantwortung und Mitbestimmung zuzutrauen. Ich kann mich lebhaft an eine Situation erinnern, als unser neuer, junger Stationsarzt Gudrun Schliebener erklärte, dass er nicht Medizin studiert habe, um sich nun von Laien sagen zu lassen, was er zu tun und zu lassen habe…

Einige Jahre später war ich als Präsident der DFPP in ganz Deutschland für die Belange der Psychiatrischen Pflege unterwegs und hocherfreut, fast überall Gudrun Schliebener wieder zu treffen. Sie war bei fast allen wichtigen Kongressen und Veranstaltungen, die die Psychiatrie betreffen, als Gast oder Moderatorin zugegen. Und mir wurde sehr schnell klar, dass sie eine sehr hohe Anerkennung in den Fachkreisen genoss. Fast alle relevanten Menschen in dieser Szene kannten und schätzten Gudrun. Manche allerdings hatten Probleme mit dieser Frau, die sich überall einmischte. Ich habe gar einen Chefarzt erlebt, der ihr deshalb Hausverbot erteilt hat. Das stellte sich für ihn sehr bald als großen Fehler heraus. Für viele war auch klar, lieber keine großen Entscheidungen im Bereich psychiatrischer Versorgung in Deutschland zu treffen, ohne Gudrun zu beteiligen. Man traf sie bei Strategieveranstaltungen der DGPPN, bei der Bundesärztekammer oder bei Ministerien.

Sie wohnte in Herford und ich in Bielefeld, so sind wir oft gemeinsam mit der Bahn zurückgefahren und immer war das ein lebhafter und oft auch sehr humorvoller Rückblick auf die Veranstaltungen. Humorvoll vor allen, weil Gudrun oft herzerfrischend respektlos war. Auch dazu eine kurze Episode: Bei einer Veranstaltung in einem Kreiskrankenhaus war auch der damalige Präsident der DGPPN als Referent anwesend. Gudrun hatte vehemente Kritik an seinem Vortrag und stellte ihn zur Rede. Anschließend nahm der Chefarzt des Kreiskrankenhauses sie diskret zur Seite und meinte, sie könne so doch nicht mit dem Präsidenten der DGPPN reden. Gudrun erwiderte darauf: „Doch, das haben Sie ja gesehen, das kann ich. Denn der Unterschied zwischen uns ist, dass Sie in der Kreisliga spielen und ich in der Bundesliga.“ Ich kannte den Chefarzt und muss gestehen, ja sie war jetzt zwei Mal respektlos gewesen, aber sie hatte in beiden Fällen recht.

Gudrun war über lange Zeit Vorsitzende im Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) e. V. und Sozial- und Gesundheitspolitikerin im Kreis Herford. Kurz vor ihrem Tod initiierte sie die Petition „Mehr Personal und Zeit für psychische Gesundheit“, die für ausreichend Personal und genügend Zeit für eine gute Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen von über 54.000 Personen unterzeichnet wurde. Ihren Erfolg konnte sie leider nicht mehr erleben.

Mit tiefem Respekt und Trauer möchte ich mich von einer Freundin verabschieden, die meinen Weg durch die psychiatrischen Institutionen maßgeblich mitgeprägt hat.

Bruno Hemkendreis
Past President der DFPP