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Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen

BApK

Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V.

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Kerstin Trostmann: 0228 - 71 00 24 04.

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Sehr geehrter Herr Bundesgesundheitsminister Spahn,

mit großem Interesse hat der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK e.V.) den Gesetzentwurf Ihres Ministeriums für schnellere Termine und eine bessere Versorgung im deutschen Gesundheitssystem - das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) - gelesen und lehnt diesen ab. Unsere Ablehnung des „TSVG“ resultiert aus den weiteren Hürden für Menschen mit seelischer Behinderung sowie deren Angehörigen, die ihnen in einer bereits ohnehin außerordentlich schwierigen und belastenden Situation in den Weg gestellt werden, anstatt diese auszuräumen. Oberstes Ziel der Gesundheitspolitik muss es sein, Hürden zu beseitigen und somit die – psychotherapeutische – Versorgung zu verbessern.

Für uns heißt das, eine zeitnahe und auf die individuelle Situation der Betroffenen abgestimmte Hilfe sicherzustellen. Stattdessen erschwert das geplante Gesetz die jetzt schon im Hinblick auf eine zeitnahe Terminvergabe beim Psychotherapeuten hochproblematische Versorgungssituation zusätzlich und stellt das Gegenteil einer Unterstützung von psychisch erkrankten Menschen und deren Angehörigen dar. Unser Bundesverband lehnt daher die neue Vorgehensweise hinsichtlich der Terminvergabe ab.

Auch Ihrem Vorschlag hinsichtlich einer weiteren, durch den „Gemeinsamen Bundesausschuss“ (G-BA) zu regelnden Terminvergabe, können wir nicht folgen. Drittpersonen - die nicht der Schweigepflicht unterliegen - sollen über die Diagnose von Menschen mit psychischen Erkrankungen informiert werden, und letztendlich darüber entscheiden, ob eine psychotherapeutische Behandlung notwendig ist. Wie kann ein nicht fachkundiges Personal Entscheidungen treffen hinsichtlich der Beschwerden des Patienten und der evtl. Medikamenteneinnahme. Die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und den Einfluss der Medikamente bezüglich anderer Erkrankungen können diese Nicht-Mediziner gar nicht beurteilen.

Gegen diese Vorwegnahme von Diagnosen durch nicht fachkundiges Personal – die gleichzeitig die Expertise von erfahrenen, gut ausgebildeten Psychologen und -Psychotherapeuten in Frage stellt – erhebt der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e. V. Einspruch. Wir verweisen hier auf eine Entscheidung des Bundesrates, der bereits am 23. November 2018 die „hierarchischen Zuweisungswege in der psychiatrischen Versorgung“ ablehnte.

Dringend notwendig erscheint uns allerdings eine rasche Ausweitung des psychiatrischen Sprechstundenangebots – auch und vor allem in bislang unterversorgten ländlichen Regionen, damit Betroffene und ihre Angehörigen zeitnah einen Termin und damit zielführende Hilfe bei dem entsprechenden Fachpersonal erhalten. Der bestehende Mangel an psychotherapeutischen Behandlungsplätzen führt, wie Sie wissen dazu, dass Betroffene monatelang auf eine Richtlinienpsychotherapie warten müssen. Nicht nur für uns ist dies ein unhaltbarer Zustand, dem z. B. durch den Ausbau der psychiatrischen Sprechstunden begegnet werden könnte, würden doch psychisch erkrankte Menschen deutlich schneller ein erstes Gespräch beim Psychotherapeuten erhalten. Wir möchten Sie daher dringend ersuchen, den Gesetzentwurf aus den oben genannten Gründen zurückzunehmen.

Aus unserer Sicht müssen andere Lösungsansätze gefunden werden, um ein bedarfsgerechtes Therapieangebot sicherzustellen. Der Ausbau von psychotherapeutischen Sprechstunden, eine zukunftsweisende Bedarfsplanung, die auch die ländlichen Regionen berücksichtigt, sowie eine schnelle Terminvergabe innerhalb von maximal 2-3 Wochen erscheinen uns dabei unerlässlich, um auf das Leid der Betroffenen und ihrer Angehörigen angemessen zu reagieren. Außerdem ist es unser nachdrücklicher Wunsch, an der Diskussion um derart wichtige Reformen als institutioneller Partner zu einem möglichst frühen Zeitpunkt beteiligt zu werden.

Gudrun Schliebener
-Vorsitzende-

Dr. Rüdiger Hannig
-stellv. Vorsitzender und Vorsitzender des LVs Schleswig-Holstein -

Der BApK wurde 1985 als gemeinnütziger Verband mit Sitz in Bonn gegründet. Sein Ziel ist die Anerkennung und der Schutz der Rechte und Interessen von Familien mit einem an einer schweren psychischen Störung erkrankten Mitglied. Als Dachorganisation der Landesverbände von Angehörigen psychisch erkrankter Menschen den Bundesländern unterstützt der BApK die Familienselbsthilfe und tritt für Gleichberechtigung und Teilhabe sowohl der psychisch erkrankten Menschen als auch ihrer Familien ein.

Im Dezember letzten Jahres hat die Anzahl der Eintragungen im „Selbsthilfenetz Psychiatrie“ des BApK die 1.000er Marke überschritten.

Entstanden ist das Selbsthilfenetz vor mehr als 10 Jahren im Sommer 2008 als Projekt „Selbsthilfe als Partner und Motor“ mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit. Als Ergänzung zu Selbsthilfebüros oder auch Selbsthilfekontaktstellen ist das „Selbsthilfenetz Psychiatrie“ des BApK speziell ausgerichtet für Angehörigen- und Betroffenen-Selbsthilfegruppen im Bereich seelischer Gesundheit. Neben Informationen über existierende Selbsthilfegruppen sowie auch Netzwerke, Trialoge als auch Bundes – und Landesverbände, steht der Gedanke der Kommunikation und Vernetzung im Vordergrund.
Nach zum Teil äußerst aufwendiger Recherche im Internet, über Artikel oder auch durch Gespräche und Hinweise Psychiatrie-Erfahrener und Angehöriger nimmt Frau Kerstin Riemenschneider, als Mitarbeiterin des BApK mit den Ansprechpartnern telefonischen Kontakt auf. Nicht immer ist die Reaktion positiv: „Von schroffen Reaktionen bis zu abruptem Auflegen habe ich im Laufe der Jahre schon so einiges erlebt“, berichtet sie, die bereits seit Beginn im Jahr 2008 für das Selbsthilfenetz sehr engagiert tätig ist.

Dennoch überwiegen in den Kontakten bei weitem Lob, Anregungen und Unterstützung, wenn Frau Riemenschneider über die Arbeit des Selbsthilfenetzes berichtet. Das unterstreicht auch die große Anzahl der aufgenommenen Selbsthilfegruppen. Der BApK sagt: Glückwunsch und Dankeschön!

Der bekannte Comiczeichner, Animationsregisseur und Characterdesigner Uwe Heidschötter (u. a. des Oscar-nominierten Kinofilms "Der Grüffelo“) und der renommierte Kinderbuchautor Patrick Wirbeleit gestalten gemeinsam einen Kindercomic über psychische Erkrankungen bei Kindern: „Die Wunschperle“

Die kleine Meeresschildkröte Anton hat einfach keine Lust. Zu gar nichts. Während seine beiden älteren Geschwister unbesorgt herumtollen und das Leben genießen, sitzt er lieber für sich allein auf seinem Stein. Weder eine Fahrt auf dem Tentakel-Karussell noch sein Lieblingsgericht, ein großer Teller voller Algen-Lasagne, können ihn aufheitern.

Irgendwann fällt auch seinen Eltern und Freunden auf, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung ist. Doktor Schlicht, der kluge Delphin, rät zu einem Besuch in der Wellenklinik. Während Anton jede Menge neue Freunde kennen lernt, die genauso „komisch“ sind, wie er selbst, haben seine Geschwister zuhause auch plötzlich jede Menge Probleme, mit denen sie nicht gerechnet haben … Wenn ein Kind psychisch erkrankt, steht das ganze Familienleben auf dem Kopf. Die Eltern sorgen sich sehr und die Situation verlangt ihnen viel Kraft ab. Aber auch die Geschwisterkinder haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen und benötigen Zuwendung.

„Die Wunschperle“ möchte Mütter, Väter, Omas, Opas, Freunde der Familie und vor allem auch die Brüder und Schwestern durch diese schwierige Zeit begleiten. Der bekannte Comiczeichner, Animationsregisseur und Characterdesigner Uwe Heidschötter (u. a. des Oscar-nominierten Kinofilms "Der Grüffelo“) und der renommierte Kinderbuchautor Patrick Wirbeleit (z. B. die mit vielen Auszeichnungen bedachte „Kiste“) haben mit viel Einfühlungsvermögen zu dem komplexen Thema „psychische Erkrankungen“ ein buntes, fröhliches und sensibles Comicbuch für Kinder ab 5 Jahren gestaltet. Zum Selbergucken und Vorlesen.

Das Begleitbuch zum Comic versteht sich als eine sehr niederschwellige Elternhilfe – ausdrücklich nicht als Ratgeber. Es möchte Angehörige und Freunde dabei unterstützen, die neue, oftmals als sehr schwierig erlebte Situation besser zu verstehen, allererste Antworten geben und über Hilfeangebote informieren. Es werden verschiedene Krankheitsbilder - wie Depression und Angststörungen, ADHS und Essstörungen – beschrieben und unterschiedliche Therapieformen vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Zusammenhang den Geschwisterkindern, deren Nöte und Sorgen oftmals übersehen werden. Mit Unterstützung der BARMER Krankenkasse. 

Das Buchpaket kann kostenlos beim Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen bestellt werden!

Pressekontakt: Kerstin Trostmann * 0228 - 7100 2404 * trostmann.bapk@psychiatrie.de